Schlagwort-Archiv: Dachgaube

Dachgauben sind keine Giebeldreiecke

 

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg vom 19.6.2012 (1 LB 169/11) können Dachgauben unter Umständen nicht als Giebeldreiecke im Sinne von § 5 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 NBauO n.F. angesehen werden. Nach dieser Vorschrift könnten bei der Bemessung des erforderlichen Grenzabstands Giebeldreiecke außer Betracht bleiben, soweit sie (waagerecht gemessen), weniger als 6 m breit sind.

Bei dem Begriff der „Giebeldreiecke“ stellt das Gericht nicht entscheidend auf die Dreiecksform ab, sondern darauf, ob baurechtlich überhaupt ein Giebel vorliegt. Grundsätzlich sei ein Giebel als die Abschlusswand an der Stirnseite eines Satteldaches definiert. Dies entspreche dem Verständnis zur „Giebelwand“ bzw. der „Giebelseite“. Den Begriff der „Gaube“ wollte das OVG Lüneburg als Dachaufbau verstanden, der nicht zwingend hinter die Flucht der Außenwand zurücktreten müsse. Aufgrund der gesetzlichen Formulierung „Dies gilt nicht für Dachgauben, Balkone und sonstige geringfügige vor- oder zurücktretende Teile desselben Gebäudes“ sei davon auszugehen, dass für den Gesetzgeber bei Giebeln nicht um sonstige geringfügige vortretende Bauteile handelt.

 

 

Grenzabstände von Dachgauben

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg vom 19.6.2012 (1 LB 169/11) dürfen Gebäudeteile im Sinne von § 5 Abs. 3 Nr. 2 und Abs. 4 Nr. 2 NBauO n.F. (unter denen Dachgauben nicht ausdrücklich erwähnt sind), die Grenzabstände nach § 7 NBauO a.F. um 1,5 m, höchstens jedoch um ein Drittel, unterschreiten. Dies soll auch gelten für andere hervortretende Gebäudeteile wie Gesimse, Dachvorsprünge, Erker und Blumenfenster, wenn sie untergeordnet sind. Ein Gebäudeteil ist nur dann als untergeordnetem Sinne von § 7b Abs. 1 Satz 2 NBauO a.F. anzusehen, wenn es nach seinem Umfang im Verhältnis zum gesamten Bauwerk und sogleich seiner Funktion nach nicht nennenswert ins Gewicht fällt. Dachgauben sind auch nicht nach § 5 Abs. 3 Nummer 2 NBauO n.F. zulässig. Danach darf der Grenzabstand unterschritten werden von Eingangsüberdachungen, Hauseingangstreppen, Balkonen, sonstigen Vorbauten, wenn die Gebäudeteile insgesamt nicht mehr als ein Drittel der Breite der jeweiligen Außenwand in Anspruch nehmen, um nicht mehr als 1,5 m, jedoch höchstens um ein Drittel.